Ganzheitliche Pflege
Gesundheit

Tobias-Haus in Ahrensburg, ganzheitliche Pflege bis zum Lebensende

Das anthroposophische Alten- und Pflegeheim sowie Service-Wohnen am grünen Rand Hamburgs

Wertschätzend und respektvoll – Wohnbereichsleiterin Gerti Fricke im Gespräch mit einer Bewohnerin (Foto: Jenny Pudel)

Ganzheitliche Pflege

„Miteinander leben“ lautet das Motto des Tobias-Hauses – und dabei handelt es sich nicht nur um eine Phrase. Lebendigkeit, Vielfalt und gegenseitiger Respekt machen das Alten- und Pflegeheim in Ahrensburg zu einem Ort, an dem die Bewohner und Mitarbeiter sich tagtäglich begegnen und gemeinsam ihre Lebenswelt gestalten.
„Als anthroposophische Einrichtung gehen wir von einer lebenslangen Entwicklung jedes Menschen aus und unterstützen diese bei unseren Bewohnern“, sagt die Heimleiterin Christine Berg. Im Tobias-Haus darf jeder seine Individualität ausleben – das gilt auch für unkonventionelle Verhaltensweisen, sofern diese keinem anderen Menschen schaden.

 

Leben in Gemeinschaft: Wohnküchen-Mitarbeiter Ronny Schneider bekommt Hilfe von einer Bewohnerin (Foto: Claudia Thoelen)

pic altenpfl nl sFamiliäre Atmosphäre

Die Bewohner des Alten- und Pflegeheims leben in sieben Wohngruppen zusammen, deren Mittelpunkt jeweils eine eigene Wohnküche bildet. Begleitet von Hauswirtschaftsmitarbeitern steht hier die gemeinsame Tagesgestaltung im Vordergrund. Sie umfasst gemeinschaftliches Kochen, Essen, Singen und Klönen in familiärer Atmosphäre. Für Senioren, die nicht pflegebedürftig sind, gibt es zudem das Haus Turmalin: ein Nebengebäude mit 24 Ein- und Zweizimmerwohnungen, die im Rahmen des Service-Wohnens vermietet werden.

Die Lage des Tobias-Hauses in direkter Nachbarschaft zu einem Wald- und Naturschutzgebiet ermöglicht ausgedehnte Spaziergänge. Die Waldwege sind – mithilfe einer schiebenden Person – zum Teil auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Für kleinere Runden oder entspannte Sonnenbäder bieten sich die Terrasse sowie der Park auf der Rückseite des Hauses an. Zur großen Freude vieler Bewohner haben in unmittelbarer Umgebung zahlreiche Singvögel ihre Heimat gefunden.

 

Körper, Geist und Seele

Pflege gehört zum Leben im Tobias-Haus dazu – bis zum Lebensende. Dabei geht es nicht allein darum, den Bewohnern bei der Körperpflege behilflich zu sein. „Wir versuchen, den Menschen in seiner Ganzheit – mit Körper, Geist und Seele – in den Mittelpunkt des pflegerischen Handelns zu stellen“, sagt die Wohnbereichsleiterin Gerti Fricke.

Auch die Bewohner mit Demenz werden im Tobias-Haus wertschätzend und ganzheitlich begleitet. Multiprofessionelle Teams aus Pflege, Alltagsbegleitung, Therapie, Reinigung und Hauswirtschaft arbeiten Hand in Hand zusammen, um einen Zugang zur Welt der Bewohner zu finden. Neben viel Empathie kommen dabei bewährte Methoden wie zum Beispiel Validation oder Biografiearbeit zum Einsatz.

IMG 0545Der Sinnesgarten grenzt an den geschützten Bereich für Menschen mit Demenz des Tobias-Hauses an (Foto: Heinz Berg)

Der geschützte Wohnbereich für Menschen mit Demenz verfügt auch über einen Sinnesgarten. Dort können die Bewohner Duftpflanzen riechen, plätscherndes Wasser hören und sich an farbenfrohen Beeten erfreuen. Um die Kreativität anzuregen und Erinnerungen zu wecken, haben in dem Garten zudem verschiedene Klanginstrumente, Fühltafeln, ein Sprudelfindling, ein Kaleidoskop, eine niedrige Wäscheleine mit Wäschestücken sowie eine alte Pumpe mit Pumpschwengel ihren Platz gefunden.

 

Balance finden und Chancen wahrnehmen

Ein wichtiger Bestandteil des Lebens im Tobias-Haus ist das vielfältige Therapieprogramm, das ohne zusätzliche Kosten angeboten wird. Es umfasst Maltherapie, Gesprächstherapie, Gartentherapie, Heileurythmie, Musiktherapie, Gesangstherapie und rhythmische Massage. Auch die Menschenweihehandlung der Christengemeinschaft sowie jahreszeitliche und religiöse Feste werden gefeiert.
Dem Menschenbild von Rudolf Steiner folgend, unterstützen die Mitarbeiter des Tobias-Hauses Bewohner mit Einschränkungen oder Behinderung dabei zu erkennen, dass selbst ihre missliche Situation ihnen die Chance gibt, im Inneren zu wachsen, an den Geschehnissen zu reifen und sie als Signal für die Entwicklung des Selbst zu verstehen.

Im Musikraum: Gesangstherapeutin Saphinas Shawky (Foto: Jenny Pudel)

Therapeutin Shawky„Wir befinden uns stets in einem Tanz mit uns selber, um alle Teile unseres Seins im Gleichgewicht zu halten“, sagt die Gesangstherapeutin Saphinas Shawky. „In meiner Arbeit versuche ich, Impulse zu geben, damit die Bewohner diese Balance bewahren oder wieder gewinnen können.“ So findet mancher einen neuen Lebenssinn und damit neuen Lebensmut.
Auch das Sterben wird im Tobias-Haus als Teil des Lebens gesehen. Anstatt es zu tabuisieren, ermöglichen die Mitarbeiter und die Heimleitung es, darüber zu sprechen, an Verstorbene zu erinnern und Totengedenken zu halten. Wenn die Bewohner es wünschen, geht die Begleitung über das Lebensende und den Sterbeprozess hinaus und ermöglicht auch eine Perspektive auf das, was nach dem Tod kommt.

Mehr Informationen über das Tobias-Haus

 Kati Borngräber

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